In Südthüringen ist die Simson weit mehr als nur ein Kleinkraftrad – sie ist ein Stück gelebte Geschichte und Nostalgie auf zwei Rädern. In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die Historie der Kultmarke aus Suhl, die bis heute Generationen von Schraubern und Fans verbindet. Außerdem stellen wir euch die zwei beliebtesten Simson-Treffen der Region vor, bei denen der Duft von Zweitaktgemisch und echte Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen.
Die Geschichte von Simson: Ein Überblick
- 1856: Die Brüder Löb und Moses Simson gründen das Unternehmen in Suhl. Es stellt Holzkohlenstahl, Jagdgewehre und Militärwaffen her.
- 1896: Die Produktion der ersten Fahrräder startet. Ab 1907 folgen PKWs.
- 1934: Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft wird die Familie Simson während des Nationalsozialismus massiv unter Druck gesetzt und ein Jahr nach der Machtübernahme schließlich enteignet. Die Familie muss in die USA fliehen.
- 1945–1955: Nach dem Zweiten Weltkrieg demontiert die UdSSR große Teile der Fertigungsanlagen des Unternehmens als Reparationsleistung. Unter sowjetischer Verwaltung erlebt die Produktion einen Neustart. In dieser Zeit erblickt auch das erste Modell des legendären Viertakt-Motorrads AWO 425 das Licht der Welt.
- 1955–1990: Simson steigt zum wichtigsten Kleinkraftrad-Produzenten der DDR auf. 1964 markiert die Geburtsstunde der berühmten Vogelserie: Schwalbe, Star, Sperber und Habicht. Besonders das Modell KR 51 Schwalbe wird ein absoluter Design-Klassiker. 1975 folgt mit der ersten Simson S 50 die Einführung der S-Klasse. Die Nachfolge tritt 1980 die S 51 an, mit der das Unternehmen das meist verkaufte Kleinkraftrad Deutschlands schafft. Die Besonderheit: Bis heute darf die S-Klasse legal 60 km/h fahren – trotz der zugelassenen Moped-Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h.
- 1990–2003: Die Wiedervereinigung bringt große Probleme für Simson. Neue Modelle und Modernisierungsversuche der Anlagen reichen nicht aus, um auf dem internationalen Markt Schritt zu halten. 1991 wird die Suhler Fahrzeugwerk GmbH (so lautet zu dieser Zeit der Firmenname) liquidiert und unter verschiedenen Namen neu gegründet. 2003 kommt es nach mehreren Insolvenzen schließlich zum Produktionsstopp und das Simson-Werk schließt für immer seine Türen. Die Firma Simson ist mit knapp 6 Millionen produzierten Kleinkrafträdern heute noch der größte Hersteller motorisierter Zweiräder Deutschlands. Im Februar 2003 erwirbt die seit 1993 bestehende MZA Meyer-Zweiradtechnik GmbH den Großteil der Vermögenswerte aus der Zwangsvollstreckung, darunter auch die Zeichnungs- und Urheberrechte von Simson. Allerdings stellt die Firma keine Neufahrzeuge her, sondern Ersatzteile für fast alle bisher gebauten Modelle – seit 2009 auch neue Motoren.


Lebendige Kultur: So bleibt die Simson-Tradition erhalten
Die DDR-Ikone ist bei Weitem keine rein ostdeutsche Erscheinung mehr. Deutschlandweit gibt es unzählige große und kleine Treffen, bei denen Begeisterte zusammenkommen, um den Kult des Ostrads weiterleben zu lassen. Sogar im Ausland hat das Kleinkraftrad seine Spuren hinterlassen: Ungarn, einer der damalig größten Importeure, hat heute eine riesige, aktive Szene. Selbst in Vietnam gibt es feste Simson-Clubs in Städten wie Hanoi – ein Beweis dafür, dass Simson Menschen in verschiedensten Ecken der Welt inspiriert hat. Natürlich kann der Hype nirgendwo größer sein als in der Heimat, weshalb wir euch die zwei größten und beliebtesten Simson-Treffen in unserer schönen Region vorstellen möchten.
Simson Sandhasen-Treffen | 30. & 31. Mai 2026
Der Ursprung dieses Simson-Treffens liegt tief verankert in regionaler Vereinsgeschichte. In einer Garage in Walldorf, unter Freunden mit einer gemeinsamen Leidenschaft für das Kult-Rad, reifte der Grundgedanke heran. Am 13. Juni 2014 war es dann soweit: der Simson Sandhasen e.V. war geboren. Kaum ein Jahr später, im Mai 2015, folgte bereits das erste Simson Sandhasen-Treffen. Besonders die Nachwuchsarbeit möchte der Verein fördern, denn sein Ziel ist klar: Die Geschichte und Tradition von Simson wahren und an nächste Generationen weitergeben, so wie sie es bereits selbst erlebt haben.
Das Programm des Treffens hält für euch einige Highlights bereit. Am Samstag findet das große Beschleunigungsrennen inklusive Wheelie-Contest statt, bis um 20:30 Uhr die Party im Festzelt steigt: „Nikolaschkaparty meets Dorfrocker & Band“. Mit dabei ist Venga Venga – Deutschlands erfolgreichste 90er- und 2000er-Jahre-Show. Sonntag folgt der typische Fahrzeug-Wettbewerb, bei dem ihr eure Simson auf Herz und Nieren testen könnt. Die kleinen Gäste dürfen sich auf einen XXL-Kids-Fun-Park freuen. Um 15 Uhr startet die große, gemeinsame Rhön-Rundfahrt, auf die sich Besucher am meisten freuen. An beiden Tagen könnt ihr außerdem auf dem Teilemarkt nach Ersatzteilen stöbern, Ausstellungen historischer Fahrzeuge besuchen oder am Leistungsprüfstand die wahre Power eures Mopeds erfahren. Neben Simson sind hier auch alle anderen Ostfahrzeuge willkommen!
Location: Gewerbepark an der B19, Industriestraße 4, 98617 Meiningen OT Walldorf
Camping: Für 10 € könnt ihr direkt auf dem Zeltplatz vor Ort euer Lager aufschlagen. Auch eure mitgebrachten Fahrzeuge können sicher verschlossen werden.
Tickets:
- Tagestickets (nur vor Ort): Mit Fahrzeug 3 €, ohne Fahrzeug 4 €, Kinder bis 14 Jahre kostenfrei.
- Einzelticket für die Abendveranstaltung am Samstag: Im Vorverkauf 18 €, an der Abendkasse 20 €.
- Simson Sandhasen-Wochenendticket: 25 €. Beinhaltet den Eintritt an beiden Tagen inklusive Abendveranstaltung und Campingplatznutzung. Vor Ort erhaltet ihr gegen Vorzeigen eures Online-Tickets ein exklusives Festivalbändchen.
STS-Festival | 03. bis 05. Juli 2026
Unter dem Motto „Kommt nach Hause“ pilgern seit 2016 jährlich über 6.000 Fans nach Suhl, um die Stadt als Ursprung und Heimat von Simson zu feiern. Das STS-Festival, auch Simson-Treffen-Suhl genannt, wurde von der MZA Meyer-Zweiradtechnik GmbH ins Leben gerufen – jenem Unternehmen, das seit 2003 der offizielle Lizenznehmer von Simson ist. Die Veranstaltung ist schon lange über die Grenzen Ostdeutschlands bekannt und zieht sogar Besucher aus europäischen Nachbarländern ins beschauliche Südthüringen. Bei Kennern der Szene ist sie ein fester Termin im Jahr. Die Grundidee: zusammenkommen, sich austauschen, fachsimpeln und natürlich die eigenen Fahrzeuge präsentieren! Auch bei diesem Simson-Treffen sind auch alle anderen ostdeutschen Zweiräder gern gesehen.
Das STS-Festival stellt jedes Jahr ein umfangreiches Programm auf die Beine. Der Freitag startet ruhig: Nach dem Einlass und dem Veranstaltungsbeginn könnt ihr am Cross-Parcours teilnehmen. Gegen Abend bringt euch die 90er-Warm-Up-Party in Feierstimmung. Am Samstag wird das Festival um 10 Uhr offiziell eröffnet, danach folgen gleich mehrere Höhepunkte. Beim Fahrzeug-Contest meldet ihr euer Moped an und stellt es aus, bevor es von einer Jury bewertet wird. Die allseits beliebte Simson-Ausfahrt durch Suhl bildet für viele Gäste die Hauptattraktion des Treffens. Am Ende des Tages startet die große Simson-Party, auf der ihr bis 2 Uhr in der Nacht ausgiebig feiern könnt. Das komplette Programm mit dazugehörigem Lageplan findet ihr auf der Website des STS-Festivals.
Location: Flugplatz Suhl-Goldlauter, Bocksbergstraße 27, 98528 Suhl
Camping: Mit dem Wochenendticket ist euch ein Stellplatz sicher. Erlaubt sind Zelte, Wohnwagen und -mobile. Auch in euren Autos dürft ihr übernachten, allerdings darf es dann erst wieder zu Abreise bewegt werden. Der Campingplatz ist am Freitag ab 11 Uhr bis Sonntag 13 Uhr geöffnet. Spätestens dann müsst ihr auch wieder abreisen.
Bitte beachtet, dass es auf dem Zeltplatz keine Strom- und Wasseranschlüsse gibt. Frisches Trinkwasser gibt es am Duschwagen. Die Duschen und Toiletten sind gegen einen geringen Betrag nutzbar. Um Wasser einzusparen, sind die Duschzeiten festgelegt. Solltet ihr kein Wochenendticket mehr bekommen haben, gibt es einige alternative Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe der Location:
Tickets:
- Tagesticket (Kasse am Einlass): Freitag 6 €, Samstag 12 €. Ohne Camping. Kinder unter 12 in Begleitung ihrer Eltern und Schwerbeschädigte kostenfrei.
- 2-Tagesticket (nur Vorverkauf): 16 €. Beinhaltet den Eintritt für Freitag und Samstag ohne Camping und ein exklusives Festivalbändchen, das ihr am Einlass gegen Vorzeigen eures Online-Tickets erhaltet.
- Wochenendticket (nur Vorverkauf): 46 €. Mit diesem Ticket sichert ihr euch den Eintritt an allen drei Veranstaltungstagen inklusive einem Stellplatz auf dem Campingplatz. Hinweis: Für lange Gespanne ab 7 Metern Länge wird eine Gebühr von 20 € extra erhoben.

